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Eine TIERISCHE LIEBE
"Wir sind ein starkes Paar in einer Welt,
die manchmal sehr grausam und mißgünstig ist"

—Cosmopolitan, 4/1994—

Das schönste Paar von Hollywood. Und das aufregendste. Kim Basinger und Alec Baldwin, seit knapp neun Monaten verheiratet - die ideale Besetzung für eine wirklich brisante Ehe. Beide gelten als Sexsymbol; beide haben den Ruf, extrem eigensinnig zu sein; und beide sind fest davon überzeugte daß sie es zu zweit mit dem ganzen Rest der Welt aufnehmen können.

Ein Paar, das sich verschworen hat. Im Leben. Und jetzt auch im Film: In dem Thriller "The Getaway", der am 14. April in den deutschen Kinos anläuft, spielen sie ein Gangsterduo, das nach einem Bankraub erbarmungslos gejagt wird. "Dieser Film erzählt irgendwie auch unsere Geschichte", sagt Kim Basinger im Foyer des Promi-Hotels "Four Seasons" in Beverly Hills.

"Denn auch Alec und ich werden erbarmungslos verfolgt." Von wem? Sie denkt nach, dreht den goldenen Ehering, den sie an der linken Hand trägt. "Von den falschen Bildern", erklärt sie schließlich. "Von den falschen Bildern, die sich die Öffentlichkeit von uns macht."

Zwei spektakuläre Ereignisse gaben dem Basinger-Bild besonders starke Konturen. In den mittlerweile zum Erotik-Klassiker avancierten "9 1/2 Wochen" (1986) verkörperte sie eine junge Kunsthändlerin, die in einen Sog sadistischer Sexualität gerät. Dieser Film, in dem sie eine geradezu schockierende Sinnlichkeit ausstrahlt, machte Kim Basinger weltberühmt und zu einem der bestbezahlten Hollywoodstars.

Das zweite Ereignis brachte sie an den Rand des Ruins: Im vergangenen Jahr wurde sie von einer jungen Regisseurin wegen Vertragsbruchs verklagt und von einem Geschworenengericht zu einer Zahlung von 8,1 Millionen Dollar verurteilt. Obwohl sie sich "finanziell ausgeraubt" fühlt, glaubt Kim Basinger, daß sie von dem Prozeß auch profitiert hat: "Ich weiß jetzt, daß ich den richtigen Mann geheiratet habe: Alec hat mir während der furchtbaren Verhandlungstage ungeheuer viel Kraft gegeben."

Alec Baldwin reagiert auf diese Liebeserklärung mit einem gelassenen Lächeln. Ein Mann, der seine Gefühle nicht zur Schau stellt. Und der genau weiß, daß er auch ohne große Gesten frappante Wirkung erzielt.

Alec Baldwin erregt Aufsehen, schon auf den ersten Blick: schwarzes Haar, blaue Augen, breite Schultern; und in den Mundwinkeln diese leichte Ironie, die aufdringliche Bewunderer auf Distanz hält. Der Ruhm ist für ihn "ein tolles Geschenk, aber kein Verdienst".

Eigentlich wollte er Politiker oder Jurist werden. Um sein Studium zu finanzieren, übernahm er kleine Fernschrollen, fiel auf, bekam Angebote von Broadway-Bühnen und kehrte schließlich nicht mehr in den Hörsaal zurück. Als Hollywood ihn holte, galt er bereits als kommender Star. Doch er ließ sich Zeit, spieitc nur, wenn ihm das Drehbuch gefiel, ließ sich bewußt nicht auf einen Typ festlegen.

1991 wurde ihm die männliche Hauptrolle in "Die blonde Versuchung" angeboten. Obwohl er das Drehbuch nicht mochte, nahm er die Rolle an. Wegen des weiblichen Co-Stars: Kim Basinger. "Die beste Entscheidung meines Lebens", meint Alec Baldwin. "Der Film wurde ein Flop. Aber Kim und ich ein Paar."

COSMOPOLITAN: In "The Getaway" gibt es ein paar heiße Sexszenen des Ehepaares Basinger/Baldwin.

BASINGER: Die aufregendsten Sexszenen, die ich je gedreht habe.

COSMOPOLITAN: Tatsächlich?

BASINGER (lacht): Muß ich doch sagen - mit meinem Mann in Hörweite. Was glauben Sie, was er mir sonst für Ärger machen würde. Er ist ein sehr sensibler Mensch.

BALDWIN (spielt mit) O ja! Wenn sich ein Mann auf der Straße nach Kim umdreht, muß ich sofort zum Psychiater. Ich komm' von der Couch gar nicht mehr runter!

BASINGER: Mein armer Liebling! Aber jetzt mal im Ernst: Sexszenen sind immer schwierig. Besonders mit dem eigenen Ehemann. Wir sind beide nackt. Ich sitze auf ihm, er liegt unter mir. Nur der Kameramann und sein Assistent befinden sich noch im Raum, und wir beide versuchen, nun etwas besonders Zärtliches und Intimes zustande zu bringen. Die Zuschauer im Kino werden sehr beeindruckt sein - sie können ja nicht ahnen, daß eigentlich eine Komödie zwischen Alec und mir abläuft.

COSMOPOLITAN: Klären Sie uns bitte auf?

BASINGER: Nun, ich beuge mich über Alec, meine Haare fallen mir dekorativ ins Gesicht, und während wir uns leidenschaftlich umarmen, geht der Dialog etwa so (wehrt imaginäre Hände ab und flüstert): "Mit der Hand höher rauf Nein, nicht so! Nach unten. Das sieht besser aus. Die andere Hand hier rum." Klingt das etwa romantisch oder leidenschaftlich?

COSMOPOLITAN: "Getaway" ist ein Remake. 1973 spielten Ali MacGraw und Steve McQueen die Hauptrollen. Auch sie waren nicht nur im Film ein Paar. Eine zufällige Parallele?

BALDWIN: Gewiß nicht. "Getaway" ist mehr als nur Action. Dieser Film handelt auch von einer "amour fou", einer Liebe auf Gedeih und Verderb. Dabei geht es um feinste emotionale Nuancen. Eine solche seelische Präzisionsarbeit kriegt nur ein Paar hin, das auch im wirklichen Leben gut aufeinander eingespielt ist.

BASINGER: Ich hatte eine höllische Angst vor dem Film. Er ist voller Gewalt und wahnsinnig erotisch. Ich wußte: Wenn Alec und ich "Getaway" gemeinsam überstehen, dann kann uns in diesem Leben nichts mehr trennen.

COSMOPOLITAN: Sie haben "Getaway" überstanden und konsequent gleich anschließend geheiratet. Allerdings waren Sie da schon zwei Jahre lang ein Paar. Warum haben Sie so lange mit Ihrem Jawort gewartet? Waren Sie ...

BALDWIN:... mißtrauisch? Also, wenn ich nicht so hartnäckig gewesen wäre... Kim ist sehr scheu und introvertiert. Sie muß zu ihrem Glück gezwungen werden.

COSMOPOLITAN: War es eigentlich Liebe auf den ersten Blick?

BASINGER: Ich habe ihn bei unserer ersten Begegnung ganz schön fertiggemacht, den Armen.

BALDWIN: Es war bei unserem ersten gemeinsamen Film "Die blonde Versuchung". Wir trafen uns zur Vorbesprechung in einem Restaurant, und sie fragte mich schlecht gelaunt:

"Welche Erfolge haben Sie eigentlich aufzuweisen - sind Sie überhaupt ein richtiger Schauspieler?" Ich fand sie hinreißend.

COSMOPOLITAN: Wann ist der Funke übergesprungen?

BASINGER: Schon wenige Tage später. Wir bekamen Krach mit den Produzenten, und Alec war so herrlich wild und männlich in seinem Zorn, daß ich einfach nicht widerstehen konnte.

COSMOPOLITAN: Sie sind 40, Alec ist 36. Stört Sie der kleine Unterschied?

BASINGER: Nein. (legt Baldwin ihre Hand aufs Knie) Stört es dich, daß ich vier Jahre älter bin?

BALDWIN (nimt Überraschung)'. Ich dachte, du wärest gerade 27 geworden!

COSMOPOLITAN: Was fasziniert Sie besonders an Ihrer Frau?

BALDWIN: Es ist der Mut, der in dieser zarten Seele steckt. Kim ist eine Frau, die sich auf keine faulen Kompromisse einläßt - weder privat noch beruflich.

BASINGER: Genau das imponiert mir auch bei Alec.

COSMOPOLITAN: Basinger und Baldwin: ein Traumpaar?

BASINGER: Ich würde es anders sagen: Wir sind ein starkes Liebespaar in einer Welt, die manchmal sehr grausam und mißgünstig ist.

COSMOPOLITAN: Meinen Sie Ihren Prozeß?

BASINGER: Ja, unter anderem.

BALDWIN: Dieser Prozeß war das Schlimmste, was einem Mann wie mir passieren konnte. Da wird der Iran, die ich liebe, etwas Böses angetan und ich kann nichts, absolut nichts verhindern.

BASINGER: Aber du hast mir unendlich viel Kraft gegeben.

COSMOPOLITAN: Es wurde Ihnen der Prozeß gemacht, weil Sie - entgegen Ihrer mündlichen Zusage - nicht mehr die Hauptrolle in dem Film "Boxing Helena" übernehmen wollten. Welche Gründe hatten Sie für die plötzliche Absage?

BASINGER: Ich will hier nicht über Details sprechen - denn da wir Revision beantragt haben, handelt es sich um ein schwebendes Verfahren. Bilden Sie sich doch selber ein Urteil: In "Boxing Helena" schneidet ein Mann seiner Geliebten die Arme und Beine ab, damit sie ihm nicht entfliehen kann.

COSMOPOLITAN: Sie wurden von einer Regisseurin verklagt. Hat diese Erfahrung etwas an Ihrer Einstellung zu Frauen in diesem Busineß geändert?

BASINGER: Nein, überhaupt nicht. Das Filmbusineß ist ein Männergeschäft. Es wäre schade, wenn die Frauen in Hollywood anfingen, sich gegenseitig zu zerfleischen.

BALDWIN: Du bist zu streng. Frauen haben in der Filmbranche doch ziemlich viel Macht.

BASINGER: Das täuscht. Wir werden noch immer ausgenutzt.

COSMOPOLITAN: Etwa als Sexobjekt?

BASINGER: Oh, dagegen habe ich nichts. Es macht doch Spaß, die eigene Sexualität vorzuführen. Aber es gibt einfach zuwenig Rollen für Frauen.

COSMOPOLITAN: Viele männliche Stars lehnen den Titel "Sexsymbol" vehement ab. Sie behaupten, dieses Image zu hassen.

BALDWIN: Sie lügen. In Wirklichkeit fühlen sie sich ungeheuer geschmeichelt.

BASINGER: Alec hat keine Probleme mit seiner Männlichkeit. Er fühlt sich sehr wohl in seiner sexy Haut.

COSMOPOLITAN: Kim, Sie beklagen, daß es so wenige gute Rollen für Frauen gibt. Was würden Sie denn gerne spielen?

BASINGER: Starke Frauen wie in den Filmen der vierziger Jahre. Die trugen die tollsten Kleider. Und ihre Haare fielen ihnen nie ins Gesicht, im Gegensatz zu den Schauspielerinnen heutzutage. So ... (wnsdielt ilire Haare ins Gesidil und ladit).

COSMOPOLITAN: Ihr Mann lobt Ihren Mut und Ihre Prinzipientreue. Es gibt aber auch Stimmen in Hollywood, die sagen: Die Basinger ist einfach eine verwöhnte und ziemlich schwierige Diva.

BASINGER: Ein Vorurteil, das mich sehr verletzt. Sogar im Prozeß kam dieser Unsinn zur Sprache. Die Vertreterin der Anklage begann ihr Plädoyer: "Guten Morgen, meine Damen und Herren. Erinnern wir uns an unsere Schulzeit: Wir alle wissen ja, was mit so einem hübschen Mädchen los ist, das alles bekommt, was es haben will."

BALDWIN: Für viele Menschen sind die sogenannten Stars auch irgendwo Monster.

BASINGER: Ich hatte in meiner Kindheit überhaupt keine Chance, ein verwöhntes Mädchen zu werdenich fühlte mich viel zu häßlich.

COSMOPOLITAN: Immerhin nahmen Sie schon als 16jährige an Schönheitswettbewerben teil und wurden Junior Miss Georgia.

BASINGER: Aber in der Schule nannte man mich "Fettlippe".

BALDWIN: Du hast die sinnlichsten Lippen der Welt!

BASINGER: Es sind die Komplexe und Ängste, die das meiste Unheil in der Welt stiften.

COSMOPOLITAN: Haben Sie Ängste?

BASINGER: In den Jahren meiner ersten Ehe litt ich unter schwerer Platzangst.

COSMOPOLITAN: Waren Sie in psychiatrischer Behandlung?

BASINGER: Nein, ich habe mich selbst geheilt, indem ich mich ganz bewußt der panischen Angst gestellt habe.

COSMOPOLITAN: Haben Sie sonst...

BASINGER: Ich weiß, was Sie fragen wollen. Nein, ich war auch sonst noch nie bei einem Therapeuten. Der einzige Psychiater, den ich regelmäßig um Hilfe bitte, ist Gott. Gott ist der einzig wahre Seelenarzt.

COSMOPOLITAN: Was bedeutet Liebe für Sie?

BASINGER: Vertrauen! Liebe, echte Liebe, findet man nur, wenn man spürt, daß man sich hundertprozentig aufeinander verlassen kann.

COSMOPOLITAN: Nach Ihrer ersten Ehe hatten Sie - so berichtete es zumindest die amerikanische Presse - zahlreiche Affären. Was empfanden Sie für den Popstar Prince?

BASINGER: Wir waren gute Freunde.

COSMOPOLITAN: Nicht mehr?

BASINGER: Freundschaft ist etwas sehr Wichtiges.

COSMOPOLITAN: Was ist das Wichtigste am Sex für Sie?

BASINGER: Küssen, (lacht) Alec ist ein Meister in diesem Fach.

BALDWIN (trocken): Danke.

COSMOPOLITAN: Laut einer Umfrage würden 72 Prozent aller amerikanischen Ehemänner ihre Frau mit Kim Basinger betrügen. Fühlen Sie sich geschmeichelt, wenn Sie von solcher flächendeckender Begierde hören?

BASINGER: Klar. Ich bin doch eine Frau. Aber die 72 Prozent aller amerikanischen Männer haben Pech. Ich brauche nur Alec, bei ihm bin ich die glücklichste Frau auf Erden.

COSMOPOLITAN: Welche Rolle spielt die Sexualität in Ihrer Ehe?

BASINGER: Lovemaking ist für mich viel mehr als einfach nur Lust. Die körperliche Nähe ist ein Hafen. Wenn ich traurig oder bedrückt bin, ist Sex mit Alec für mich die beste Therapie.

COSMOPOLITAN: Wollen Sie Kinder?

BALDWIN: Jede Menge!

BASINGER (lächelt): Ich bin bescheidener: Ich will nur vier Kinder haben, zwei eigene und zwei adoptierte.

COSMOPOLITAN: Die Kinder werden sich nicht langweilen. Es heißt. Sie hätten zu Hause neun Hunde.

BASINGER: Es sind zehn.

COSMOPOLITAN: Mögen Sie die Menagerie Ihrer Frau?

BALDWIN: Sie übertreibt manchmal. Kürzlich brachte sie eine Kuh nach Hause. Ich sagte: Wir leben hier nicht auf einer Ranch, sondern in L.A. mit einem Swimmingpool im Garten.

BASINGER: Ich ließ dann einen Aufruf übers Radio verbreiten und fand ein besseres Zuhause für sie als unseren Swimmingpool.

COSMOPOLITAN: Was macht das Ehepaar Kim Basinger und Alec Baldwin glücklich?

BALDWIN: Morgens oder nachts nebeneinander im Bett zu liegen und uns zu überlegen, welchen Namen wir der Buchhandlung mit Cafebar geben, die wir irgendwann eröffnen werden.

BASINGER (streichelt Baldwins Knie): I love you, darling!

—Mit Basinger/Baldwin
sprach Susanne Franke
Cosmopolitan, April, 1994


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