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"Ich habe mich
gerade von mainer
Freundin getrennt"
Alec Baldwin und Bravo-Korrespondentin Dagmar Dunlevy beim Interview im Tekno-Studio in Hollywood
Bravo, 1988

BRAVO: Hast du mitbekommen, welchen Erfolg du in Deutschland mit deiner Rolle in der TV-Serie "Die Texas-Klinik" hattest?

Alec: Natürlich! Ich habe Unmengen von Fanpost bekommen. Das hat mich vollkommen vom Hocker gerissen. Sag' allen in Deutschland, daß Ich mich sehr herzlich dafür bedanke, aber leider keine Zeit haben werde, sie in nächster Zeit alle zu beantworten. Aber ich werde mein bestes tun!

BRAVO: Warst du schon einmal in Deutschland?

Alec: Bis jetzt nicht Wahrscheinlich klappt es im Frühjahr nächsten Jahres. Ich werde eine kleine Tour durch Europa machen und will auch England und Italien besuchen. Aber jeder sagt mir hier, daß ich mir unbedingt Deutschland angucken

BRAVO: Du hast gerade den Kinofilm "Married to the Mob" abgedreht und dir dafür deine Haare wieder kurz schneiden lassen. Was wird deine nächste Rolle sein?

Alec: Ich spiele einen Sträfling, der in Miami/Florida einen Polizisten zusammenschlägt und ihm seine Marke klaut. Das ist das Schlimmste, was einem Polizisten passieren kann. Mit dieser Polizeimarke kann ich in der Stadt alles treiben und ungeschoren jedes Verbrechen ausüben. Ein Polizist, gespielt von Fred War, heftet sich an meine Fersen und ist total besessen davon, mich unschädlich zu machen. Der Kinofilm heißt "Miami Blues" und wird in Miami gedreht.

BRAVO: Was fällt dir ein, wenn du an einige der berühmten Leute denkst, mit de" neu du zusammengearbeitet hast wie zum Beispiel Michelie Pfeiffer in "Married to the Mob"?

Alec: Was ich von ihr halte (breites Grinsen auf seinem Gesicht... er lacht laut auf)? Sie hat mehr Talent, als die Leute bisher glaubten. Das hat sich mit einem Schlag geändert, als "Married to the Mob" rauskam. Es ist schon interessant. Das einzige, was die Leute in diesem Beruf wirklich von ganzem Herzen wollen, ist. respektiert zu werden. Sie wollen, daß du der Meinung bist, daß sie gute Schauspieler sind. Das bedeutet ihnen mehr als alles andere. Natürlich gibt es einige, die nur an Geld. Ruhm und an einen Stern auf dem Hollywood Boulevard "Walk of Fame" und an ein großes Haus denken. Doch ich glaube, daß die meisten einfach nur als gute Schauspieler anerkannt werden wollen. Wenn man ihre Namen erwähnt, woran denkt man? Wenn ich Lee Majors sage, woran denkst du? Wenn ich Robert Urich sage, woran denkst du? Aber wenn ich Marion Brando sage, woran denkst du dann? Man will jemand sein. bei dessen Namen jeder sofort denkt, das ist ein großartiger Schauspieler!

BRAVO: Woran denkst du, wenn der Name Marion Brando fällt?

Alec: Der beste Schauspieler überhaupt. Er ist außerdem ein sehr guter Freund von mir.

BRAVO: Was glaubst du, woran die Leute denken, wenn sie deinen Namen hören?

Alec: Ich habe keine Ahnung und verschwende nichteinen einzigen Gedanken daran.

BRAVO: Was wurdest du gern hören?

Alec: Daß ich im Laufe der Zeit ein guter Schauspieler war.

BRAVO; Auf deinem Grabstein würde dann also stehen: "Alec Baldwin - er war ein guter Schauspieler"?

Alec: Es würde heißen "Alec Baldwin - er war ein sarkastischer Bastard" (lacht). Nein, im Ernst. Manchmal mache ich mir schon Gedanken darüber, was die Leute über mich sagen und schreiben. Aber normalerweise lesen die Leute die Hefte, horten sie eine Zeitlang auf einem großen Haufen in ihrer Garage, und irgendwann werfen sie sie weg.

BRAVO: Wo ist dein Zuhause?

Alec: In New York City. Ich habe zwar hier in Los Angeles ein Apartment, aber es ist nicht mein Zuhause Ich habe hier mal vier Jahre lang gelebt, und jetzt komme ich drei oder vier Wochen im Jahr nach Los Angeles.

BRAVO: Gefällt es dir hier nicht?

Alec: Doch, ich mag es, aber nur besuchsweise. Die paar Wochen sind genug, um einige Freunde zu treffen, die ich sehr vermisse.

BRAVO: Erzähle uns von deinen Freunden in New York. Mit wem lebst du zusammen?

Alec: Mit wem ich lebe? Oh. Gott! Im Moment habe ich überhaupt kein Privatleben. Ich habe mich gerade von meiner Freundin getrennt Wir waren dreieinhalb Jahre zusammen. Sie ist auch Schauspielerin.

BRAVO: Dann sollte sie doch für das verrückte Showgeschäft Verständnis haben, oder?

Alec: Sie spielt in einer sogenannten Seifen-Oper mit und ist immer in New York. während ich irgendwo im Land herumreise. Auf die Dauer ging das nicht.

BRAVO: Verrätst du uns ihren Namen?

Alec: Sie heißt Holly Gagnier, und ihre Serie heißt "One Life to live". In all den Jahren ging es in unserer Beziehung immer hin und her.

BRAVO: Was hast du aus dieser Beziehung über Frauen gelernt?

Alec: Ich habe gelernt, daß das, was du sagst, vollkommen egal ist. Ausschlaggebend ist, was du tust. Frauen sind wie riesige, atmende, lebendige Spürgeräte. Sobald du ihnen Scheiße erzählst, schatten sie dieses Gerät automatisch ein. Man sollte ihnen niemals etwas erzählen oder versprechen, was man nachher nicht einhalten kann. Wenn man ihnen etwas verspricht. muß man es unbedingt machen.

BRAVO: Wie verhältst du dich, wenn du bist? Bringst du Blumen und schreibst Liebesbriefe?

Alec: Ich benehme mich dann wie ein totaler Trottel. Aber es ist schon eine Weile her. seitdem ich mich so verhalten habe Ich habe dieselben Gefühle wie alle Verliebten.

BRAVO: Verlierst du Gewicht, kannst nicht schlafen und denken?

Alec: Ja, all das.

BRAVO: Wie hältst du dich fit?

Alec: Ich laufe und boxe. Heute konnte ich keinen Sport treiben, weil ich mir gestern das Handgelenk ausgerenkt habe.

BRAVO: Siehst du dir gern Boxkämpfe an?

Alec: Manchmal, wenn es ein wirklicher Kampf ist Ich mag fette Typen, die sich gegenseitig so richtig die Hölle heiß machen.

BRAVO: Wie gefällt dir Mike Tyson, der Box-Weltmeister im Schwergewicht?

Alec: Ich finde ihn angsterregend. Mike Tyson strahlt eine merkwürdige Energie aus. Ich glaube, daß es viel damit zu tun hat, daß sein Trainer gestorben ist. Wenn man jung ist und eine sehr enge Beziehung zu jemanden hatte, der dann stirbt... das ist problematisch. Sein Trainer hat ihn aus dem Getto geholt, hat ihm ein neues Leben gegeben und dann starb er. Daran hat er zu knabbern.

BRAVO: Gibt es jemanden in deinem Leben, dem du sehr nahe stehst?

Alec: Das war mein Vater, der leider 1983 an Krebs starb. Es ging altes sehr schnell, und heute merke ich, wie ich mich oft an Leute klammere, die mich an meinen Vater erinnern. Zum Beispiel mein Agent und einige Freunde, die mir ständig bei meinen Problemen helfen oder mir einen Rat geben. Ich ertappe mich manchmal dabei. wie ich das gleiche mit meinen Brüdern versuche.

BRAVO: Deine Brüder sind ebenfalls Schauspieler. Rndest du das gut?

Alec: Zwei davon fangen erst an, Schauspieler zu werden. Ich wundere mich manchmal, ob sie diesen Beruf wirklich lieben. Denn das Geschäft kann es nicht sein. Das Showbusineß ist schrecklich!

BRAVO: Rufen sie dich an, wenn sie einen schauspielerischen Rat brauchen?

Alec: Manchmal, aber wirklich selten. Sie sind wahnsinnig selbständig, und bevor sie jemanden um Hilfe bitten, stürzen sie sich lieber die Klippen runter. Außerdem sind alle extrem dickköpfig!

BRAVO: Betrachtet ihr euch als Konkurrenten?

Alec: Wir sind alle total konkurrenzfähig. Als wir zusammen aufwuchsen, gab's bei uns zu Hause viele kaputte Fensterscheiben, Löcher in den Wänden und eine Menge Faustkämpfe.

BRAVO: Wie sah es beim Abendessen am Tisch der Baldwins aus?

Alec: Das Motto war, nimm' was du kriegen kannst, solange noch was da ist. Wir aßen wie verruckt, rannten aus der Tür und spielten Football. Dann kamen wir wieder reingerannt, schaufelten wieder ein bißchen Essen und rannten erneut auf die Straße. Bei uns war Sport. Sport, Sport - 24 Stunden am Tag angesagt!

BRAVO: Was waren deine Ettem von Beruf?

Alec: Mein Vater war Lehrer und meine Mutter war psychisch total fertig, weil sie sechs Kinder großziehen mußte. Sie war in diesem schweren Job völlig erledigt.

BRAVO: Kannst du uns deine Geschwister mal der Reihe nach aufzählen?

Alec: Klar! Elizabeth (33), dann komme ich, Daniel (28), Billy (25), Jane (23) und Stephen (22).

BRAVO: Mal ein anderes Thema. Was bedeutet dir Geld?

Alec: Was mir Geld bedeutet? (er lacht laut)... je mehr man besitzt, desto mehr sitzt man in der Hölle. Guck' dir doch all die Menschen an, die berühmt sind. Berühmte Leute sind aber nicht alle gleich. Da gibt es welche, die sind berühmt, und du hast keine Ahnung, warum sie berühmt sind. Und dann sind da welche, die sind reich und berühmt und scheinen von einem anderen Planeten zu kommen. Zum Beispiel Michael Jackson. Der ist so talentiert und ist doch kein normaler Mensch. Er kommt mir vor wie ein Marsbewohner. Und dann sieh' dir mal an, was wir mit solchen Talenten machen - wir ruinieren sie, bis sie sich selbst zerstören. Beste Beispiele sind Elvis Presley, Judy Garland. Michael Jackson ist (lacht)... wirklich irgendwas anderes, nicht von dieser Welt.

BRAVO: Wirst du eines seiner Konzerte besuchen?

Alec: Hoffentlich kann ich es. Ich liebe Michael Jackson.

BRAVO; Wieviel würdest du für eine Karte ausgeben?

Alec: Ein paar hundert Dollar! Denn schließlich soll dies seine letzte Tour sein.


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